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A Swiss Homage to Andrés Segovia
While My Guitar Was Gently Weeping
Music From The Royal Courts Of Germany

Minsk Music - Chamber Music from Belarus


Music from the Royal Courts of Germany

  

Die Musik in der Zeit der Renaissance und des Barock

Die Renaissance war zweifellos die Kunstepoche, deren Ausstrahlung den europäischen Geist am nachhaltigsten bestimmt und gelenkt hat.

Waren die Musiker im Mittelalter zumeist Heimat- und Besitzlose, die den fahrenden „Spilleute” angehörten, so entwickelte sich während dieser Epoche zum ersten Mal der Stand des Berufsmusikers. Die steigenden Ansprüche an die Qualität der musikalischen Aufführungen bei den Fürsten und Herren brachten es mit sich, dass sich der Instrumen­talist den zunehmend neuen „fremden" musikalischen Einflüssen stellen musste. Auf diese Weise wurde der Unterschied zur Musik für den Tagesbedarf des Volkes immer deutlicher. Selbst weniger begüterte Adlige hielten sich aus Repräsentationsgründen eigene „menestrels". Mit der Gründung größerer höfischer Instrumentalensembles hatte sich auch die soziale Stellung des Musikers gehoben. Eine Entwicklung, die ihren Höhepunkt in  den Hofmusikkapellen der Barockzeit erreichen sollte.

Während der Renaissance erfuhr zudem das Virtuosentum einen ersten Aufschwung. In­ternational berühmte Instrumentalisten und Sänger fanden in ganz Europa an Fürstenhöfen als reich beschenkte Gäste Aufnahme und Existenz. Zum Bild eines jeden gebildeten „ritterlichen" Menschen gehörte das Studium der Musik!

Die vorliegenden Aufnahmen sind eine Anthologie. Eine Auswahl von Renaissance- und Barockmusik, wie sie an Deutschlands Höfen komponiert und aufgeführt wurde. Am Bei­spiel des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel unter Herzog Julius und dessen Thron­folger Herzog Heinrich Julius möchte ich diese Entwicklung der Musik, und die der  sozi­a­len Stellung der Hofmusiker, näher beleuchten. Die Geschichte der Wolfenbütteler Hof­ka­pelle ist reich dokumentiert; wirkten hier doch so namhafte Größen wie Michael Praetorius und Gregorio Huwet.

 

Aufstieg und Niedergang der Wolfenbütteler Hofkapelle (1571 - ca.1630)

Überall in Mittel- und Norddeutschland begünstigte die Reformation das Aufblühen bestehender Kantoreien oder deren neue Einrichtung. Jeder Fürst, der dem neuen Glauben zugetan war, machte es sich zur Pflicht, die katholische Messe durch die lutherische Li­turgie mit der ihr eigenen starken Betonung des Gemeindegesanges zu ersetzen. Im Fürs­tentum Braunschweig-Wolfenbüttel vollzog sich diese Entwicklung relativ spät, weil der Hof erst mit dem Antritt von Herzog Julius, im Jahr 1568, protestantisch wurde.

Herzog Julius  -Heinrich Julius' Vater-  war sowohl den Künsten als auch den Wissenschaften aufgeschlossen. Die Gründung der Universität Helmstedt gilt denn auch als sein Verdienst.

Im Jahr 1571 gründete Herzog Julius die erste Wolfenbütteler Hofkapelle.

Die Bestallungsurkunden, datiert vom 26. November 1571 über Umfang und Entlohnung eines Amtsinhabers, offenbaren den sparsamen Charakter des Fürsten. Ne­ben musikali­schen Diensten wird zusätzlich die Betätigung als Kanzleischreiber verlangt. Durch diese Doppelbeamtung wurde eine Reduzierung der Hofdienerzahl erreicht.  Außer­dem hatte der Fürst dadurch die Gewissheit, nur gut ausgebildete Personen in seine Kantorei zu be­kommen. Vor Abschluss eines Dienstvertrages verlangte er von den Bewerbern einen in deutscher und lateinischer Sprache verfassten, selbst geschriebenen Lebenslauf.

Der Herzog kaufte 1571 „vier der besten Lauthen von Zittau" zu 11/2 Thalern und weitere Instrumente. Der vielversprechenden Hofkapellgründung sollte aber kein langes Leben beschieden sein. Von den Instrumentalisten ist schon drei Jahre später nirgends mehr die Rede. Der Grund dafür dürfte die bereits erwähnte Gründung der Universität Helmstedt im Jahre 1576 gewesen sein, welche eine gewaltige Mehrbelastung des Haushaltes zur  Folge hatte. Elf Jahre später, wir schreiben das Jahr 1587, entschließt sich Herzog Julius abermals, eine neue Hofkapelle einrichten zu lassen. Trotz besserer Finanzlage will er auch jetzt nur we­nig Mittel zur Verfügung stellen.

 

Am 2. Oktober 1587 wurde Thomas Mancinus von Schwerin als Kapellmeister mit fol­genden Aufgaben ins Amt berufen: „...Das „fleißige" Aufwarten mit „Musica vocali et in­stru­mentali" an Sonn- und Festtagen in unserer Schlosskirche, sowie auf unseren Wunsch am Tisch in unserem Gemach, für uns und unsere Gäste...., ...Die Führung über  seine Gesellen ausüben, sie  zu einem nüchternen und eingezogenen Leben anhalten, zu fleißi­gem üben und zu Schreibarbeiten verpflichten. Von Zeit zu Zeit nach Gelegenheit der Feste mit neuen Ge­sängen aufwarten, mit dem ausdrücklichen Verbot, sie ohne unser Wissen in öffentlichen Druck zu geben.. An Arbeitstagen, und wenn keine fremden Gäste bei uns sind, sollen ad­ministrative Arbeiten auf der Kanzlei verrichtet und die Verwaltung der Bibliothek über­nommen werden... Die fürstliche Tochter soll täglich eine Stunde im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet werden...".

Auch der Unterricht der Kapellknaben lag offenbar zunächst in den Händen des Kapellmeisters, denn die Stelle des Kapellknabenpräceptors wurde erst unter Heinrich Julius eingerichtet.

Thomas Mancinus erhielt für sein Amt ein Jahresgehalt von 50 Thalern, hälftig an Weihnachten und Pfingsten, ausbezahlt. Dazu kamen: Freier Tisch, Winter- und Sommerhof­bekleidung, ein Ochse, zwei Wildschweine, je zwei Scheffel Roggen und Gersten. Noch schlechter wurden die übrigen Musiker entlohnt. Sie bekamen zwar 20 Thaler, 2 Hofkleider und den freien Tisch, erhielten aber weder Hauszinsgeld noch Deputat (Naturalien) und mussten dafür neben der Musik noch Schreibdienste leisten. Die Bestallungen der Musiker bestimmten ausdrücklich, dass der Herzog Julius auf seinen Reisen von seiner Hofkapelle zu begleiten ist, sei dies zu Land- und Kreistagen, zu Inspektionen oder zur Erholung. Im Sommer fuhr er oft mit seiner Gemahlin die Oker hinauf zu seinem Lustschloß Hedwigsburg; auch dies mit „Trompeten, Heerpauken und einer Music".

Am 3. Mai 1589 starb Herzog Julius und wurde am 11. Juni in der Pfarreikirche „Beatae Mariae Virginis" beigesetzt.

 

Heinrich Julius, der älteste Sohn, wurde sein Nachfolger. Sehr an Literatur interessiert, gilt er als Schöpfer der ältesten, deutschen Prosendramen. Zusammen mit Moritz Landgraf von Hessen gehörte er zu den ersten deutschen Fürsten, die an ihren Höfen englische Theater und die dazugehörenden Schauspielern etablierten.

Als evangelischer Bischof des Fürstbistums Halberstadt war er dem lutherischen Glauben sehr zugetan. Als in Rom die Eingangsfront des Sankt Petersdoms emporwuchs, wurde in der Residenz Wolfenbüttel die Hauptkirche „Beatae Mariae Virginis" als erste bedeutende evangelische Kirche der Welt gebaut. Bauherr war Heinrich Julius. Er pflegte einen ver- schwenderischen Lebensstil und war sowohl für seine Trunksucht wie auch als Hexenver- folger bekannt. Beim Tod seines Vaters erbte er ein Vermögen von 700.000 Thalern; er selbst hinterließ Schulden in der Höhe von 1,2 Millionen Thalern!

Bald nach dem Regierungsantritt von Heinrich Julius wurde die Hofkapelle neu organisiert.

Musikalisch weniger begabten Musikern wurde gekündigt. So zum Beispiel dem Lautenisten Tobias Kuen, der noch von Heinrich Julius' Vater eingestellt worden war. Thomas Mancinus blieb Kapellmeister und erhielt zudem bessere Anstellungsbedingungen:

das Gehalt wurde verdoppelt und die Hofkapelle wurde von neun auf zwölf Musiker aufgestockt.

1590 fuhr Heinrich Julius nach Kopenhagen, um dort Elisabeth, die Schwester des noch unmündigen Königs Christian IV von Dänemark, zu heiraten. König Christian führte während  seiner Regierung die Musik am dänischen Hof zu einzigartiger Blüte. In Kopenhagen lernte Heinrich Julius die dort weilenden englischen Komödianten und die englische Instrumentalmusik kennen. Dies hatte zur Folge, dass auch Wolfenbüttel zu einer englischen Schauspielertruppe und, in deren Gefolgschaft, auch zu englischen Musikern kam.

Am 22. Mai 1591 trat der Lautenist Gregorius Huwet von Antwerpen der Hofkapelle bei. Zunächst noch mit einem Durchschnittsgehalt und ohne Deputat versehen stieg er später zum besonders honorierten und reich beschenkten Günstling des Herzogs auf und verdiente das zweithöchste Gehalt.

Durch das Interesse für die englische Instrumentalmusik wurde Heinrich Julius auf den  Lautenisten John Dowland aufmerksam. Ihm liess er eine schriftliche Einladung zukom­men. Dieser hatte sich gerade vergeblich um eine Anstellung am Englischen Königshaus beworben und trat erst einmal eine Auslandreise an, welche ihn schlußendlich nach Rom führen sollte. Vorher wollte er aber der Einladung Heinrich Julius' Folge leisten und so traf er im Herbst 1594 in Wolfenbüttel ein. Er wurde mit großen Ehren empfangen und Heinrich Julius versuchte vergeblich, Dowland für seinen Hof zu gewinnen.

Einige Zeit später wurden John Dowland und Gregorius Huwet nach Kassel zu Landgraf Moritz von Hessen geschickt. Heinrich Julius wollte ein fachmännisches Urteil über die Fähigkeiten der beiden Lautenisten einholen. Die genaue Datierung dieser Ereignisse ist schwierig, gab es doch zu der Zeit unterschiedliche Kalender in Europa. Sicher ist lediglich, dass der Besuch am 21. März 1595 beendet war. Ein Brief von Landgraf Moritz an Heinrich Julius berichtet über den Verlauf des Besuchs dieser beiden Lautenisten. Darin schreibt er sehr diplomatisch: ..."ich entschuldige mich, dass die beiden Musiker so lange in Kassel geblieben sind.(...)

...Dowland blieb aus eigenem Willen und griff jede Möglichkeit zu musizieren... Was ihre Kunst anbelangt, so haben wir beide Lautenisten gehört und verglichen, und obwohl wir vom 'Lauttenschlagen' nicht sonderlich viel verstehen, dünken sie uns doch sehr gut zu sein. Wir halten Georgius Hawitten für einen erfahrenen und versierten Lautenisten, und was muteten madrialn zu schlagen anlangt, gar perfect und wohl Passiert. Johannes Dulandt dagegen ist ein guter Komponist. Wenn Dulandt Ihren Lautenisten verkleinert undt in einigem wege solte verachtet haben, dessen beschwert undt entschuldigt er sich zum Heftigstenn...- Cassel am 21. Marty anno 1595 - Moritz Lg Hessen...".

Ein sehr vorsichtiger und Deutlichkeit vermissender Brief, wissen wir doch aus Dowlands Überlieferungen, wie sehr Graf Moritz versucht hat, Dowland an seinem Hof zu halten. Der  Graf komponierte für Dowland sogar die auf dieser CD eingespielte Pavin und versah sie mit folgender Widmung: „Mauritius Landgravius Hessia fecit in honorem Johanni Dowlandi Anglorum Orphei". Dowland jedoch setzte seine Reise nach Italien fort und erst auf der Rückreise sollte er sich wieder einige Zeit in Kassel aufhalten. Erst 1598 wird er eine feste Anstellung am Hof von Christian IV in Kopenhagen erhalten. Sein Jahresgehalt betrug 500 Thaler. Weder Heinrich Julius noch Landgraf Moritz von Hessen wären damals in der Lage gewesen, ein solches Gehalt bezahlen zu können.

Um so größere Mühe gab sich Heinrich Julius, um Gregorius Huwet von Antwerpen an seiner Hofkapelle halten zu können. Ihm Jahr 1595 'schenkt', bzw. überläßt Heinrich Julius ihm für 1200 Thaler ein Haus in Halberstadt, auf dass er zeitlebens bei ihm bleibe. Hier wird sich Huwet auch verheiratet haben, denn er liess sich 1607 von einer gewissen Marie Uleman „propter adulterium commisum" scheiden (aus dem Tagebuch des Halberstädter Dom­dechanten Mathias v. Oppen). Dieser Ehe entsprang anscheinend der Sohn, Henricus Huwet, der sich 1611 in Helmstedt immatrikuliert hatte und dessen Pate der Herzog Heinrich Julius war. Die Existenz von Vater Gregorius ist 1614 in der Hofkapelle, obwohl kein Bedarf an Lautenisten mehr da war, noch nachweisbar. Auch 1616 wird er noch im Besoldungsregister aufgeführt.

Gregorius Huwet von Antwerpen starb wahrscheinlich im Jahr 1617.

 

Die Anstellung von Michael Praetorius um Neujahr 1595 schuf die Voraussetzung für die wohl höchste künstlerische Blüte der Wolfenbütteler Hofkapelle. Er wurde zunächst als Organist angestellt.

Auffällig ist die gewaltige Besoldungserhöhung um das Doppelte, die die Musiker erfuhren. So bekam Thomas Mancinus neu ein Jahresgehalt von 260 Thalern, danach folgten Huwet und Praetorius mit je 150 und die restlichen mit meist 100 Thalern. Gehälter, die sogar jene der Dresdener Hofkapelle übertrafen. Der Staatsschatz von 700.000 Thaler war denn auch bald aufgebraucht, und schon vor 1601 wurden die Gehälter nicht mehr regelmäßig ausbezahlt. Aber weil es unter den Musikern der Hofkapelle nun keine großen Wechsel mehr gab, war das erfolgreiche Arbeiten besser gewährleistet den je. In diesen letzten zehn  Lebensjahren von Heinrich Julius, also von etwa 1603 an, sah die Besetzung der Hofkapelle folgen­dermaßen aus: drei Bassisten, drei Tenoristen, drei Altisten, acht Kapellknaben, fünf Instrumentalisten, Instrumentalistenjunge, zwei Organisten und zwei Lautenisten.

 

Der größte musikalische Impuls ging jedoch vom Wechsel in der Leitung der Hofkapelle aus.

Der neue Hofkapellmeister hieß Michael Praetorius und trat am 7. Dezember 1604 sein Amt an. Vorgänger Thomas Mancinus wurde aus gesundheitlichen Gründen pensioniert und erhielt 200 Thaler Pensionsgeld im Jahr. Er starb zwischen Oktober 1611 und  Mai 1612.

Der Tod von Herzog Heinrich Julius am 20. Juli 1613 beschleunigte den Niedergang der Hofkapelle. Sein Nachfolger, Herzog Friedrich Ulrich, war ein Spielball in den Händen sei­ner Räte, den berüchtigten „Landdrosten". Nicht nur die übernommene Schuldenlast, auch die zunehmende Mißwirtschaft und die verheerenden Auswirkungen des beginnenden Großen Krieges hatten zur Folge, dass, trotz Protesten seitens Michael Praetorius', die Ausgaben und die Anzahl Musiker immer mehr eingeschränkt wurden.

 

Musikalisch betrachtet bricht eine neue Zeit an. Sie räumt mit alten Strukturen in der  Kapellorganisation auf und lässt die Hofmusik in neuer Form wieder aufblühen. Das Neue ist die Verselbständigung von Instrumentalmusik und Sologesang. Diese Eigenständigkeit kann sich aber erst nachdem die verheerenden Kriegsfolgen ansatzweise beseitigt waren, durchsetzen.

 

Michael Praetorius (Creuzburg 1571 - 1621 Wolfenbüttel)

Kapellmeister in Wolfenbüttel von 1604 - 1621

 

Michael Praetorius wurde 1571 in Creuzburg an der Werra (bei Eisenach) geboren. Sein Vater war strenger Lutheraner. Die Auseinandersetzungen im protestantischen Lager zwangen die Familie immer wieder zu zahlreichen Wohnungswechseln. Michael Praetorius liess sich später in verschiedenen deutschen Städten ausbilden und kam 1585 nach Frankfurt an der Oder.

Von 1595 bis zu seinem Tod im Jahr 1621 wirkte er zuerst als Organist und ab 1604 als Ka­pellmeister am Hof von Wolfenbüttel. Als systematischer Mensch nahm er ein ambiti­öses Veröffentlichungsprogramm in Angriff. Vor allem auf dem Gebiet der Kirchenmusik  ist der Katalog seiner Werke enorm umfangreich.

Praetorius starb als reicher Mann und hinterließ seinen Besitz den Bedürftigen.

 

1612 erschien Terpsichore, genannt nach der griechischen Muse des Tanzes. Die einzige seiner projektierten Reihen von weltlichen und instrumentalen Sammlungen wurde von     „...seines Durchleuchtigen/Hochgeborenen Fürsten und Herrn/Herrn Friedrich Ulrichen/ Hertzogen zu Braunschweig und Lüneburg, componiert auff fünff und vier Stimmen..." in Auftrag gegeben.

Die Titelseite verspricht „...Allerly Frantzösische Däntze und Lieder (...) wie dieselbigen von den Frantzösischen Dantzmeistern in Franckreich gespielet (...) unnd vor Fürstlichen Taffeln (...) zur recreation und ergötzung gantz wol gebraucht werden können".

Diese Tänze wurden Praetorius von Anthoine Emeraud, dem Tanzmeister von Herzog Friedrich Ulrich, übermittelt, damit er die Melodien mehrstimmig setzen konnte. Praetorius war sich offenbar nicht sicher, ob er solche Musik ohne Bedenken veröffentlichen soll, denn er entschuldigte sich in seiner Widmung an den Herzog: Die „... Melodien und Arien, wie sie es nennen..." seien von französischen Tänzern, zugleich meistenteils sehr guten Violinisten und Lautenisten, komponiert worden, um ihre großen Herren, die Adels- und Standespersonen mit dieser musikalischen Begleitung im Tanzen zu unterweisen.

Für die meisten dieser Tänze schrieb er den Baß und die Mittelstimmen und setzte seine In­itialen M.P.C. (Michael Praetorius Creuzburg) darunter. Bei Tänzen, zu denen er die  Bass-Stimme bereits mitgeliefert bekam, verwendete er den Begriff „Incerti"(anonym)   oder wieder andere Stücke trugen das Kürzel F.C., welche auf die Autorschaft des franzö­si­schen Violinisten Pierre Francisque Caroubel schließen lassen, der sich gerade eine Zeitlang am Hof aufgehalten hatte.

An französischen Höfen pflegte man zu offiziellen Tänzen und zum Tanzunterricht mit Violinen aufzuspielen, was die Vermutung nahe legt, Praetorius habe diese Musik für Streichinstrumente komponiert. In Deutschland hingegen wurde die Musik zur Unterhaltung, bei Banketten und anderen feierlichen Anlässen aufgeführt, so dass die Instrumentierung mehr durch den Anlass und den Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Musikern bestimmt wurde.

 

1619 veröffentlicht Praetorius sein Syntagma Musicum. Schon im Titel dieser dreibändigen  Enzyklopädie dringt Praetorius' Anliegen, die Musik als ganzheitliches System zu begreifen, deutlich durch: Syntagmen sind Sammlungen von Schriften verwandtem Inhalts.  Mit diesem Werk will er das musikalische Wissen der Zeit in seinen verschiedenen Ausformungen zusammenfassen.

Der 1. Band wendet sich in lateinischer Sprache und mit vielen Quellenangaben an die „Gelehrten Kantoren" und enthält Aufsätze aus allen Zeiten zu Themen der geistlichen und weltlichen Musik.    

Im 2. Band ('De organographia') bilden Dispositionen berühmter Orgeln, ein umfassender Überblick über die Instrumente und Abhandlungen über Klangvorstellungen thematische Schwerpunkte. Praetorius verfaßt diesen Band in '...Teutscher Sprach, weil meistentheils Orgel- und Instrumentenmacher, Organisten und Instrumentisten der Lateinischen Sprach nicht kündig seyn...' Der Anhang dieses Bandes ist mit dem Titel 'Theatrum Instrumentorum seu Sciagraphica (Theater der Instrumente oder perspektivische Zeichnungen) versehen und ist mit seinen 42 Kupferstichseiten für die Musikinstrumentenforschung von unschätzbarer Bedeutung.

Der 3. Band behandelt sowohl musikalische Termini, Notationslehre als auch Fragen zur  Aufführungspraxis.

Der 4. Band, eine Kompositionslehre beinhaltend, erschien nicht mehr.

 

Moritz Landgraf von Hessen (Kassel 1572 - 1632 Kassel)

Regierungszeit 1592 - 1627

Wenn es den Begriff vom ritterlichen und gebildeten „Uomo universale" zu erfüllen gab, so traf dies ganz sicher auf  Landgraf Moritz von Hessen zu. Neben seinen Aufgaben als Regent komponierte, musizierte, dichtete und philosophierte er. Damit nicht genug schrieb er Theaterstücke, verfertigte Architekturzeichnungen und betätigte sich als praktizierender Chirurg und Alchimist. Er baute Schulen und förderte die Naturwissenschaften.

Sowohl seine Sprachkenntnisse in Französisch, Italienisch und Englisch, wie auch seine  großen, schwarzen Augen und das tiefbraunen Haar liessen ihn als einnehmende und gewinnende Persönlichkeit erscheinen. Der Engländer Edward Monings beschreibt ihn in einem Brief, datiert anno 1596, an die Countess of Warwick als: „...A perfect man (in my opi­nion), and a most perfect prince..."

Landgraf Moritz war Nachfolger seines Vaters Wilhelm IV. Er liebte die Jagd. Ein Zeu­genbericht aus dem Jahre 1595 dokumentiert, dass mit strenger Strafe zu rechnen hatte, wer sich weigerte an der Jagd teilzunehmen, um das Wild zu hetzen. Zu einer Jagd im Jahr 1591 erschienen die Männer der Gemeinden Allendorf und Verna zu spät und wurden deswegen zu je achtzig Thalern gebüßt.

Auch für seine Trunksucht war Landgraf Moritz bekannt. Diese nahm zuweilen groteske Formen an: Nach einem Besuch beim Kurfürsten von Brandenburg verließ er diesen nach zehn Tagen wieder, um mit seinem Gefolge von 3000 Reitern und Dienstpersonal, nach Spandau zu gehen. Er fand aber das Stadttor nicht! Sein, -und offensichtlich auch der seiner Untergebener-, betrunkener Zustand muss dafür verantwortlich gemacht werden. Im Jahr 1604 wurde Landgraf Moritz Kalvinist. Der Versuch, seine Untertanen zur kalvinistischen Glaubensrichtung zu bekehren, mündete fast in einen Bürgerkrieg.

Nachdem er das Vertrauen seines Volkes verloren hatte, trat er 1627 von seinem Amt zurück

 

Landgraf  Moritz studierte bei Georg Otto, Kasseler Kapellmeister von 1588 bis 1619, Musik. Er schrieb für seine eigene Kapelle italienische Madrigale, Villanellen und als versierter Lautenist auch Musik für dieses Instrument.

Große Verdienste erlangte er, in dem er Heinrich Schütz (1585-1672) förderte. Schütz war als Kapellknabe nach Kassel gekommen und erhielt im Jahr 1607 vom Landgrafen Moritz ein Stipendium, um bei „Maestro Giovanni Gabrieli" in Venedig studieren zu können.

Ohne Zweifel hat damals die englische Consort Music das Vorbild für die Sammlung fünfstimmiger Pavanen von Landgraf Moritz abgegeben, denn die hessischenglischen Verbindungen  waren eng. Englische Schauspieltruppen gastierten wiederholt am Kasseler Hof, und, wie bereits erwähnt, weilte auch John Dowland am Hof. Erstmals im Jahr 1595, dann das Jahr darauf und am 9. März 1598 bot ihm der Landgraf sogar eine Stelle an. Dowland ging jedoch nach Kopenhagen und an seine Stelle trat der Lautenist Richard Machin.

Erster Hoflautenist war jedoch Victor de Montbuysson. Er war es, der die landgräfliche  Tochter Elisabeth auszubilden hatte.

Landgraf Moritz und seine Hoflautenisten spielten sechs- bis zehnchörige Lauten in der Lautenstimmung der Renaissance. Dabei schienen sie eine neunchörige Laute bevorzugt zu haben. Laut einem Nachlassinventar spielte die Landgrafentochter Elisabeth auch Bandor und die vierchörige Gitarre. Überhaupt fanden auch andere Zupfinstrumente dieser Zeit am  Hof Verwendung, wie etwa die Cister, die Theorbe oder die gerade in Mode gekommene generalbasstaugliche Erzlaute.

In London erschien 1610 die von John Dowlands Sohn, Robert, zusammengestellte Ausgabe „Varietie of Lute Lessons". In dieser Sammlung ist die auf dieser CD einge­spielte Lautenpavane des Landgrafen Moritz von Hessen zu finden. Kommentar von Robert Dowland: „Here beginneth the Pavins of which the first was made by the most magnificent and famous Prince Mauritius, Landgrave of Hessen, and from him sent to my Father, with this inscription following, and written with his GRACES owne hand: Mauritius Landgravius Hessia fecit in honorem Johanni Dowlandi Anglorum Orphei".

Die spieltechnisch äußerst anspruchsvolle Pavane offenbart das Können zur lautenspezifischen Komposition und den Landgrafen Moritz als den, schon erwähnten, geübten Lautenspieler. Viermal verwendet er zu Beginn seiner Pavane das Lachrimaethema von John  Dowland.

 

Gregorius Huwet von Antwerpen (Antwerpen vor 1550 - nach 1616 Wolfenbüttel) Lautenist am Hof von Wolfenbüttel 1591 - 1614

Über die Zeit vor Wolfenbüttel wissen wir über Gregorius Huwet nichts. Erst mit der Berufung in die Hofkapelle am 22. Mai 1591 vollzog sich die oben beschriebene Laufbahn. John Dowland lobt ihn in seinem „First Booke of Songes or Ayres"(London 1597) als großes, musikalisches Talent und als freundliche Person.

Ab 1614 wurde in der Kapelle kein Lautenist mehr gebraucht. Trotzdem behielt ihn der  Kapellmeister Praetorius weiterhin, um Konzerte mit Lautenkoloraturspiel zu umrahmen.

Andere Stimmen, eine davon ist die von Diana Poulton, behaupten, dass Huwet, nachdem er zum Spielen zu alt war, von Herzog Friedrich Ulrich entlassen und in großer Armut gestorben sein soll.

 

Georg Friederich Händel (Halle 1685 - 1759 London)

Über Händel werde ich mich kurz fassen und nur auf Gegebenheiten im Zusammenhang mit der Sarabande eingehen.

Händels Cembalomusik geht größtenteils auf seine Jugendzeit, als er sich seiner Begabung als Instrumentalist bewußt wurde, zurück. Er spielte dem Herzog von Sachsen Weissenfels vor, worauf ihn dieser zum Musikstudium ermutigte.

1703 zog Händel nach Hamburg und wurde schon nach kurzer Zeit Kapellmeister an der  dortigen Oper.

Im Jahr 1706 unternahm Händel eine Reise nach Italien.

Von 1711 bis 1716 amtierte er als Hofkapellmeister in Hannover.

 

Die hier eingespielte Sarabande stammt aus der Suite IV in d-moll für Cembalo und ist vor 1706 entstanden. Die großartigen Harmonien rufen Erinnerungen an 'La Folia' wach.

In jüngster Zeit erlangte sie durch den Film 'Barry Lindon' von Stanley Kubrick, in einer zeitgemäß aufgemachten Orchesterversion, größere Bekanntheit.

Aus der Zeit seiner letzten Italienreise (1708/09) stammt die „Cantata spagnuola a voce solo e chitarra" worin die Gitarre als Continuo-, d.h. Begleitinstrument, Verwendung findet.

 

 Esaias Reusner der Jüngere (Löwenberg in Schlesien 1636 - 1697 Berlin)

Die Musik hat als Kunstform unter dem 'Dreißigjährigen Krieg', dem 'Großen' Krieg, wohl am meisten gelitten. Die ökonomisch harten Zeiten und die geistige Verarmung brachten eine ganze Künstlergeneration zum Schweigen und legten kulturelle Entwicklungen lahm. Erst nach Ende des Krieges wuchs eine neue Generation von Musikern heran. Exponenten dieser Zeit waren Dietrich Buxtehude und Esaias Reusner der Jüngere.

Im Süden Deutschland und Österreichs orientierte man sich eher nach Venedig und Rom, während der Norden und die „protestantische" Mitte ihre Blicke nach Frankreich richteten. Esaias Reusner der Jüngere stammte aus einer Patrizierfamilie. Am 29. April 1636 erblickte er als Sohn des gleichnamigen Lautenisten Esaias Reusner, des „wohlberühmten Lautenisten" des Fürsten von Bernstadt, und Blandina Reusner das Licht der Welt. Sein Vater nahm die Erziehung seines Sohnes sehr ernst und begann schon sehr früh, diesen im Lautenspiel zu unterrichten. Damit war der Grundstein für das Werk eines der hervorragendsten deutschen Lautenkomponisten des 17. Jahrhunderts gelegt. 1645 hatte der Vater die letzte Musiksammlung für Laute in Deutschland herausgegeben. Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) zwangen Vater und Sohn, ihre  Heimat Löwenberg zu verlassen.

1646, als zehnjähriger Wunderknabe, spielte Esaias der Jüngere in Danzig der durchreisenden Königin von Polen, Maria Luisa von Gonzaga, vor.

Vater und Sohn zogen schließlich nach Breslau zum Grafen Wittenberg und Esaias, der  Zwölfjährige, diente dem Grafen zwei Jahre lang als Page.

1651 nahm Fürstin Radziwill Esaias als Kammerdiener in Dienst und liess ihn von einem uns unbekannten Musiker in Lautenspiel und Komposition weiter ausbilden. Nach drei Jahren quittierte er, von Heimweh geplagt, seinen Dienst und kehrte nach Breslau zurück, wo ihn ein Jahr später die Berufung an den Hof von Herzog Georg III. von Schlesien in Brieg erreichte. Als nach neun Jahren der Tod des Herzogs seinen Dienst beendete, hielt er sich ein Jahr in Breslau auf, bis ihn 1665 der neu regierende Herzog Christian wieder an den Hof verpflichtete. Da war es, wo er „...auf seinem Instrument vor vielen excel­liert..." hat, sodass ihn der Herzog für ein erfolgreiches Gastspiel nach Wien, zum Kaiser Leopold I, beurlaubte.

Nach dem Ableben von Herzog Christian im Jahr 1672 wirkte Esaias Reusner kurze Zeit in Leipzig. Dort unterrichtete er Laute an der Universität und an der Thomaskirche hatte er unter der Leitung des Kantors Thomas Knüpfer den Posten eines Theorbenspielers inne. Anschließend reiste er nach Berlin, um dem großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg vorzuspielen.

1674 erhielt er die Anstellung als „Cammer"-Lautenist mit dem hohen Gehalt von 300 Rtlr. Nachdem Esaias Reusner, ein von Statur aus kleiner und schwächlicher Mann, den „Dienst bis in das siebende Jahr rühmlichst versehen" hatte, starb er am 1.Mai 1697 in Berlin. Er hinterließ eine Witwe und drei kleine Söhne.

 

Die auf dieser CD eingespielte Paduana, aus dem ersten Suitenwerk für die Laute mit dem Titel „Delitiae Testudinis" (Erfreuliche Lautenlust), entstand in Brieg und wurde 1667 gedruckt. Mit seiner Tiefe der Empfindung und der Gediegenheit des 'gebrochenen Stils' überragt es weitgehend die bis anhin allein vorhandenen Lautenkomponisten aus Frankreich. Dieses Werk war das erste Buch in Deutschland seit sein Vater, mehr als zwan­zig Jahre zuvor, seine Musiksammlung für Laute veröffentlicht hatte.  Der Erfolg dieses Buches machte bald eine Neuauflage notwendig.

Sein reifstes Suitenwerk mit dem Titel „Neue Lautenfrüchte" ist in Berlin entstanden und 1676 im Druck erschienen.

Zwei weitere Jahre später folgten die in Lautensätzen gehaltenen Hundert geistliche Melodien evangelischer Lieder", denen eine (nicht mehr zustande gekommene) Lautenbearbeitung von Psalmen folgen sollte.

 

Johann Sebastian Bach (Eisenach 1685 - 1750 Leipzig)

Auf biographische Angaben über das Leben und das gewaltige Werk von J.S. Bach möchte ich an dieser Stelle verzichten und auf die einschlägige Fachliteratur verweisen. Darum beschränke ich mich mit kurzen Hinweisen auf die eingespielten Stücke sowie auf den Sinn und die Berechtigung von Transkriptionen.

Das kleine Präludium in d-moll für Laute BWV 999 (original in c-moll) dürfte während Bachs Köthener Zeit (1717 - 1723) entstanden sein. Die einzige Quelle dieses Präludiums ist eine Abschrift von Johann Peter Kellner (1705-1772) mit dem Titel „Praelude in c-moll pour la Lute di Johann Sebastian Bach". Möglicherweise war dieses Präludium als Vorspiel zu einer Fuge gedacht, denn es schließt in der Dominanttonart A-Dur.  

Die Fuge in a-moll  stammt aus der um 1720 entstandenen Sonate Nr.1 für Solovioline BWV 1001 (original in g-moll) und ist uns auch in einer zeitgenössischen Übertragung für Barocklaute bekannt. Diese finden wir bei Johann Christian Weyrauch unter dem Titel „Fuga del Signore Bach" BWV 1000 in einer 1730 erstellten Tabulaturfassung. In dieser Fassung ist die polyphone Gestaltung durch zusätzliche Stimmeneinsätze noch ergänzt, bzw. betont worden. Aus späterer Zeit stammt die Orgelbearbeitung BWV 539.

Auch Bachs sechs Suiten für Violoncello solo sind zwischen 1717 und 1723 entstanden und bilden eine Art Gegenstück zu den aus der gleichen Zeit stammenden sechs Sonaten und  Partiten für Violine solo.

Die Suite Nr.3 in A-Dur für Violoncello BWV1009 (original C-Dur) komponierte Bach für Ferdinand Christian Abel, der in der Kapelle des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen seinen Dienst als Gambist und Cellist tat.

 

Transkriptionen und Authentizität

Das Transkribieren von Kompositionen für andere Instrumente ist im Grunde genommen so alt wie das Komponieren selber.

Die Tänze aus 'Terpsichore' von Praetorius sind an sich schon Transkriptionen von Werken anderer Komponisten; hat er doch die Besetzung den Möglichkeiten und dem Instrumentarium seiner Hofkapelle angepaßt.

Bei J.S. Bach müssen wir uns die Frage stellen, wie es möglich ist, dass ein Komponist von solcher Größe Werke schreiben konnte, die auf den jeweiligen Instrumenten nur teilweise  spielbar waren. Die technischen Anforderungen, sowohl seiner Violinpartitas wie auch der Lautensuiten, sind derart hoch und komplex, dass man gleichsam von Zügen eines Arrangements reden kann. Bach selber hat die Suite Nr.5 in c-moll für Violoncello für die Laute bearbeitet und dabei die Komposition nach g-moll transponiert; eine Bearbeitung, die uns als Grundlage für die Transkriptionen anderer Cellosuiten dienen kann.

Die Konstruktion der modernen Konzertgitarre geht auf die Arbeit des spanischen Gitarrenbauers Antonio de Torres (1817-1892) zurück und ist also in dieser Form erst ungefähr Hundertfünfzig Jahre alt.

 

Das Transkribieren von Renaissance- und Barockmusik für die moderne Gitarre hat seit jeher Tradition. In der Art und Weise, wie die Werke in den vergangenen hundertfünfzig Jahren für die Konzertgitarre eingerichtet wurden, ist eine große Entwicklung auszumachen.

Am Anfang stehen die Bachtranskriptionen von Francesco Tarrega (1852-1909), in welchen man sehr deutlich den damaligen romantischen Zeitgeist erkennen kann. Dies kommt u.a. durch die Saitenbezeichnung, welche häufig ein warmes Vibrato fördert, sowie dem 'Auffüllen' bestimmter Akkorde und dem Gebrauch von Ausdrucksbezeichnungen deutlich zum Ausdruck (zur Zeit Bachs war man diesbezüglich sparsamer). In der Person Andrés Segovias fand diese Tradition des spätromantischen Zeitalters seine Ent­sprechung.

Diese Aufnahmen sollen dem neuen Verständnis von Renaissance- und Barockmusik und der heutigen Aufführungspraxis Alter Musik Rechnung tragen und in diesem Sinne ihren  Beitrag zeitgenössischer Transkriptionsauffassung leisten.

Han Jonkers

 

Deutsche Bearbeitung: Heinz M. Strohbach, Textatelier Bern (Schweiz)

 

Han Jonkers

 Der niederländische Gitarrist Han Jonkers, geboren 1958 in Eindhoven, studierte Gi­tarre bei Hans-Lutz Niessen an der Musikhochschule von Maastricht.

Nach der Erlangung des Lehr- und des Solistendiploms ermöglicht es ihm ein Stipendium, während mehreren Jahren in Siena (Italien) an der Accademia Musicale Chigiana bei Oscar Ghiglia zu studieren um dann in der Folge mit dem „Diploma di Merito" ausgezeichnet zu werden. Weitere Studien folgten an der Musikakademie in Basel bei Konrad Ragossnig und Oscar Ghiglia, die er ebenfalls mit dem Solistendiplom abschloss.

Han Jonkers ist Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe, 1983 in Viña del Mar in Chile und 1985 beim Wettbewerb Maria Canals in Barcelona, Spanien.

Seit 1981 lebt er in der Schweiz und konzertiert solistisch wie auch in Kammermusikbeset­zungen. Mehrere Komponisten haben in seinem Auftrag Werke für Gitarre geschrieben. Seine Aktivitäten umfassen sowohl die Initiierung von Gitarrenfestivals und Kursen, als auch das Verfassen musikwissenschaftlicher Beiträge in der Fachpresse. In dieser Eigenschaft ist die Veröffentlichung des ältesten Manuskripts der „Quatre Pièces Brèves" von Frank Martin seinem Dienst zu verdanken.

Han Jonkers gibt Workshops an Musikhochschulen im In- und Ausland und Sommerkurse im Rahmen der Musikfestwochen in Arosa (Schweiz). Im Rahmen der Partnerschaft des Kantons Aargau (Schweiz) mit Weissrussland konzertiert er daselbst regelmäßig und gibt Meisterkurse an der Musikhochschule in Minsk.

Eine Einladung ans „Festival Internacional de Música de Natal" führte ihn nach Brasilien wie auch zum Unterrichten an der „Universidade Federal da Bahia" in Salvador de Bahia. Han Jonkers lebt in Basel und ist Lehrbeauftragter für Klassische Gitarre an der Höheren Pädagogischen Lehranstalt des Kantons Aargau in Zofingen, sowie an der Kantonsschule Olten im Kanton Solothurn.

Beim Musikverlag Nepomuk in Aarau wird eine Reihe mit Gitarrenmusik von ihm betreut. Seine CDs erschienen bei CADENZA RECORDS und PAN CLASSICS und erhielten in  der Presse lobende Kritiken.

 


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